Upcycling als Therapie

Wie ich aus Infusionsflaschen etwas Positives erschaffen habe

Ich halte diese kleine Glasflasche in meiner Hand, und obwohl sie für andere nur Abfall ist, sehe ich sofort mehr darin. Das Glas ist klar und still, aber gleichzeitig voller Möglichkeiten, und während ich sie drehe, entstehen in meinem Kopf bereits Linien und Mandalas. Noch bevor ich beginne, weiß ich, dass daraus etwas Neues entstehen wird, weil ich immer so denke. Wenn etwas weggeworfen wird, sehe ich nicht das Ende, sondern den Anfang. Und genau in diesem Moment, während ich diese Flasche betrachte und meine Gedanken Formen annehmen, spüre ich, wie Upcycling als Therapie für mich real wird, denn ich verwandle nicht nur ein Objekt, sondern auch meine Perspektive.

Diese Leidenschaft war schon immer ein Teil von mir, und deshalb hat sie mich auch während meiner Krebsbehandlung begleitet. Obwohl mein Körper schwach war und obwohl vieles unsicher war, blieb dieser kreative Blick bestehen, und er wurde sogar stärker, weil ich etwas brauchte, das mir Halt gab.

Neben den Chemomedikamenten hing jedes Mal eine kleine Flasche mit Kochsalzlösung an meinem Infusionsständer, und nachdem die Behandlung beendet war, wurden diese Flaschen entsorgt. Aber ich konnte nicht aufhören, sie anzusehen, und deshalb fragte ich eines Tages die Krankenschwester, ob ich sie behalten dürfte. Als sie ja sagte, begann ich, sie zu sammeln, und gleichzeitig begann ein neuer kreativer Prozess.

Kreativität hat mir Fokus gegeben, obwohl alles unsicher war

Zu Hause lagen die Flaschen vor mir, und obwohl sie klein und unscheinbar waren, hatten sie für mich eine große Bedeutung. Während ich begann, mit dem Gravurstift die ersten Linien zu ziehen, wurde mein Atem ruhiger, und gleichzeitig wurde mein Kopf klarer, weil ich mich auf den Moment konzentrierte.

Linie für Linie entstand ein Mandala, und während dieses Prozesses veränderte sich etwas in mir. Ich war nicht mehr nur Patientin, sondern ich war Gestalterin, und dadurch fühlte ich mich wieder handlungsfähig.

Kreativität hat mir geholfen, weil sie:

  • meinen Fokus verändert hat, sodass ich nicht nur an die Krankheit dachte
  • mir Ruhe gegeben hat, während mein Körper erschöpft war
  • mir Kontrolle gegeben hat, obwohl vieles unkontrollierbar war
  • mir Sinn gegeben hat, weil ich etwas erschaffen konnte

Und genau deshalb wurde dieser Prozess so wichtig für mich.

Upcycling als Therapie – Transformation im Innen und im Außen

Mit jeder gravierten Flasche veränderte sich nicht nur das Glas, sondern auch meine Verbindung dazu, denn aus einem medizinischen Objekt wurde ein persönliches Symbol. Während ich arbeitete, entstand nicht nur ein Muster, sondern auch ein Gefühl von Stärke, und dadurch bekam alles eine neue Bedeutung.

Als meine letzte Chemo näherkam, wusste ich, dass ich etwas zurückgeben wollte, und deshalb gravierte ich für jede Krankenschwester eine eigene Flasche. Danach dekorierte ich sie mit getrockneten Blumen und transparenter Folie, sodass aus jeder Flasche ein persönliches Dankeschön wurde.

Obwohl diese Zeit schwer war, hat mir dieser kreative Prozess geholfen, etwas Positives darin zu finden, und gleichzeitig hat er mir gezeigt, wie kraftvoll Kreativität sein kann.

Vielleicht beginnt auch dein kreativer Prozess genau dort

Seitdem sehe ich viele Dinge anders, denn ich erkenne Möglichkeiten, wo andere nur Abfall sehen. Und genau deshalb beginnt Upcycling nicht mit Werkzeugen, sondern mit deiner Perspektive.

Du kannst beginnen, indem du:

  • Dinge bewusst betrachtest, bevor du sie wegwirfst
  • deiner Intuition vertraust, auch wenn du noch keinen Plan hast
  • den Prozess zulässt, weil er sich Schritt für Schritt entwickelt
  • dir erlaubst, kreativ zu sein, ohne Perfektion zu erwarten

Denn während deine Hände etwas erschaffen, verändert sich oft auch etwas in deinem Inneren. Upcycling verändert nicht nur Materialien, sondern auch dich.

P.S. – Ich habe noch weitere Projekte, die ich während meiner Brustkrebserkrankung umgesetzt habe. Einige werde ich noch veröffentlichen – andere findest du bereits hier: Handgemachte Teelichthalter aus Paletten-HolzMütze aus eigene HaarKleine Truhe aus Verpackungsholz, Ethno-Fliegenklatschen aus Haar

Lass dich von diesem Blogartikel inspirieren

Vielleicht inspiriert dich dieses Projekt, auch in deinem Alltag genauer hinzuschauen und vermeintliche "Reste" kreativ zu nutzen. Es muss nicht immer ein DIY-Projekt mit typischen Materialien sein – manchmal sind es gerade die ungewöhnlichen Ansätze, die zu den spannendsten Ergebnissen führen.

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