Das Holz lag schon eine Weile bei uns. Ein Freund hatte uns einen Stamm einer Zuckerhutfichte gebracht, weil er wusste, dass wir gern mit Holz arbeiten. Olli sägte ihn im Querschnitt auf. Die Scheiben waren unterschiedlich dick, die Kettensäge hatte sichtbare Spuren hinterlassen. Nichts war gleichmäßig. Genau das hat mich gereizt. So begann meine Kreative Holzbearbeitung – ohne Plan, ohne Skizze, ohne Erwartung. Ich habe mir einfach ein Stück genommen und angefangen.
Die Form war schon da
Ich habe das Holz gedreht, angeschaut, mit den Händen über die Oberfläche gestrichen. Die Zuckerhutfichte ist hell, fast cremig, mit einer ruhigen, feinen Struktur. Sie fühlt sich beim Schnitzen angenehm an – robust, aber nicht hart.
An einer dünneren Stelle begann ich, unregelmäßige Öffnungen herauszuarbeiten. Keine perfekten Kreise. Eher organische Formen. Ich wollte nicht gegen das Holz arbeiten, sondern mit ihm.
Rechts und links blieb die Rinde erhalten. Oben und unten ließ ich bewusst die Schnittkerben der Säge sichtbar. Dieser Kontrast – Naturkante und technische Spur – erzählt für mich die ganze Geschichte des Materials.
Während ich schnitzte und später lange schliff, war Olli mit dem Fahrrad unterwegs. Es war ruhig. Mit jedem Schleifgang wurde die Oberfläche weicher. Das Licht begann sich sanft in der hellen Fläche zu spiegeln. Am Ende wirkte sie fast poliert, obwohl ich bewusst nicht alles „perfekt“ gemacht habe.
Nachhaltig arbeiten heißt für mich bewusst gestalten
- Ich nutze, was da ist.
- Ich arbeite mit Respekt vor dem Material.
- Ich lasse Spuren sichtbar, statt sie zu verstecken.
Diese Zuckerhutfichte wurde nicht für Kunst ausgesucht. Sie war einfach da. Und genau das macht dieses Stück für mich besonders.
Als Olli zurückkam, befestigten wir die fertige Skulptur gemeinsam auf einem dunklen Schiefer-Sockel. Der Stein bringt die Helligkeit des Holzes noch stärker zur Geltung. Zum Schluss gravierte ich unser Logo SandraOliver von Hand in den Schiefer. Damals hatte ich noch kein Lasergerät.
Dieses Einzelstück steht heute noch bei uns. Es erinnert mich daran, dass ich nicht perfekt starten muss. Dass Vertrauen wichtiger ist als Kontrolle. Und dass kreative Holzbearbeitung oft genau dort beginnt, wo ich den Mut habe, einfach loszulegen.
Was du für dich mitnehmen kannst
- Starte, auch wenn du noch keinen fertigen Plan hast.
- Nutze Unregelmäßigkeiten bewusst.
- Lass Rinde, Spuren und Struktur Teil deines Designs sein.
- Vertraue deinem Gefühl im Prozess.












